2011 begann für mich eine Veränderung, deren Ausmaß ich damals selbst noch nicht absehen konnte.
Einer der Auslöser war ein Buch von Bernd Stelter mit dem Titel „Wer abnimmt, hat mehr Platz im Leben“. Dieser Satz ist mir geblieben, weil er sich in den folgenden Jahren auf eine Weise bewahrheitete, die weit über eine kleinere Kleidergröße hinausging.
Ich verlor deutlich an Gewicht, begann mich immer mehr zu bewegen und entdeckte schließlich das Laufen für mich. Plötzlich war tatsächlich mehr Platz in meinem Leben: für neue Erfahrungen, für Wettkämpfe und für Strecken, bei denen ich vorher nicht gewusst hätte, ob ich sie jemals schaffen könnte.
Keine Wunderdiät
Durch das Buch beschäftigte ich mich auch mit dem damals populären Konzept „Schlank im Schlaf“. Besonders genau habe ich mich allerdings nicht daran gehalten.
Ich ließ am Abend vor allem kohlenhydratreiche Sättigungsbeilagen wie Brot, Kartoffeln, Reis und Nudeln weg. Gleichzeitig begann ich, mich deutlich mehr zu bewegen. Aus ersten Spaziergängen wurden längere Strecken, aus dem Gehen wurde irgendwann Laufen.
Das Grundprinzip dahinter war wenig spektakulär: Ich nahm weniger Energie zu mir, als ich verbrauchte. Durch dieses Kaloriendefizit sank mein Gewicht. Welchen Anteil die einzelnen Veränderungen daran hatten, kann ich rückblickend nicht beziffern.
Es war keine Zauberei und auch keine Methode, die bei jedem Menschen zwangsläufig genauso funktionieren würde. Für mich funktionierte diese Kombination damals.
Als meine Abnahme öffentlich wurde
Meine Veränderung blieb auch außerhalb meines persönlichen Umfeldes nicht unbemerkt. 2011 und 2012 erschienen zwei Zeitungsberichte über meine Abnahme. Hinzu kam die Werbeanzeige eines Fitnessstudios, in der ich mit meinem damaligen Gewichtsverlust als Erfolgsgeschichte vorgestellt wurde.
Die beiden Zeitungsartikel zeigen heute recht gut, wie schnell sich meine eigene Geschichte verändert hatte. Im ersten stand noch vor allem der Kampf gegen mein Gewicht im Mittelpunkt. Ein Jahr später wurde das Interview bereits beim gemeinsamen Joggen geführt.
Inzwischen ging es nicht mehr nur darum, dass ich abgenommen hatte. Ich war zu jemandem geworden, der regelmäßig lief und bei Laufveranstaltungen startete.
Auch Bernd Stelter begegnete ich in dieser Zeit. In mein Exemplar seines Buches schrieb er:
„Lieber Norbert, weiter so, du schaffst das auch!“
Zu diesem Zeitpunkt hatte die Veränderung längst begonnen. Die Widmung war also nicht der Startschuss, aber eine schöne Bestätigung auf einem Weg, auf dem ich bereits ein gutes Stück vorangekommen war.
Mehr Platz für das Laufen
Aus der zusätzlichen Bewegung wurde ein wichtiger Teil meines Lebens. Zwischen 2011 und 2014 stand ich mehr als 50 Mal an einer Startlinie. Ich lief unter anderem im Nordhessencup, absolvierte zwei Halbmarathons, nahm an einer Marathonstaffel teil und versuchte mich am Berlin-Marathon.
Das Abnehmen hatte mir nicht automatisch Kondition, Ausdauer oder Disziplin geschenkt. Dafür musste ich selbst etwas tun. Aber es hatte körperlich und gedanklich Möglichkeiten geschaffen, die vorher kaum vorhanden gewesen waren.
Die ausführliche Geschichte dieser Jahre erzähle ich auf meiner Seite über das [Laufen].

Als für mich selbst immer weniger Kraft blieb
2014 veränderte sich mein Leben grundlegend. Meine Mutter wurde zum Pflegefall.
Ich war ihr einziger Angehöriger, gleichzeitig voll berufstätig und nun zusätzlich pflegender Angehöriger. Das war eine sehr schlechte Kombination. Die Pflege beanspruchte zunehmend Zeit und Kraft. Während ich versuchte, meiner Verantwortung gerecht zu werden, blieb meine eigene Gesundheit immer häufiger auf der Strecke.
Meine letzten Wettkämpfe lief ich 2014. In den beiden folgenden Jahren versuchte ich noch mehrfach, zum regelmäßigen Laufen zurückzukehren. Gleichzeitig kamen weitere gesundheitliche Schwierigkeiten hinzu. Unter anderem wurde Belastungsasthma zu einem Problem.
Damit verschwand nicht von einem Tag auf den anderen alles, was ich zuvor erreicht hatte. Aber die Voraussetzungen veränderten sich. Bewegung wurde schwieriger, Routinen gingen verloren und mein Gewicht stieg über die Jahre wieder an.
Dass ich heute erneut in einer Gewichtssituation angekommen bin, die der Zeit vor 2011 ähnelt, lässt sich deshalb nicht mit einem einzelnen Fehler erklären. Es gab keinen bestimmten Tag, an dem ich beschloss, mich nicht mehr um mich selbst zu kümmern. Es war eine lange Entwicklung, in der Belastungen, fehlende Kraft, verlorene Gewohnheiten und gesundheitliche Probleme ineinandergriffen.
Abnehmen unter anderen Voraussetzungen
Heute ist Abnehmen für mich schwieriger als 2011.
Damals konnte ich meine Ernährung verändern, mich zunehmend bewegen und meine Belastbarkeit Schritt für Schritt steigern. Inzwischen müssen dabei mehrere gesundheitliche Probleme berücksichtigt werden: Diabetes, Bluthochdruck, Kreislaufbeschwerden, ein empfindlicher Magen-Darm-Trakt sowie Beschwerden in Knien, Oberschenkeln und Rücken. Auch das Asthma gehört weiterhin zu dieser Geschichte.
Manchmal fühlt sich das an, als säße ich in einem Glashaus und müsste mich fragen:
Welche Scheibe darf ich als Erste kaputtschmeißen?
Mehr Bewegung wäre sinnvoll, darf aber Knie und Rücken nicht überfordern. Eine veränderte Ernährung muss nicht nur ein Kaloriendefizit ermöglichen, sondern für mich auch verträglich sein. Gleichzeitig kann weiteres Abwarten die bereits vorhandenen Probleme verschärfen.
Das bedeutet nicht, dass nichts mehr geht. Es bedeutet nur, dass einfache Antworten nicht mehr ausreichen.

Wo ich heute stehe
Zu meinem heutigen Weg gehört deshalb auch medizinische Unterstützung. Ich nehme Mounjaro.
Die Spritze ist nicht plötzlich das neue Prinzip des Abnehmens. Auch mit Mounjaro bleibt ein Kaloriendefizit notwendig. Sie nimmt mir weder die Entscheidungen beim Essen ab, noch bewegt sie mich durch meinen Alltag.
Für mich ist Mounjaro deshalb kein Notausgang und schon gar keine bequeme Abkürzung. Unter meinen heutigen Voraussetzungen ist es eine notwendige Hilfe, um trotz der vielen Schwierigkeiten wieder eine realistische Chance zu haben.
Dazu gehören weiterhin eine bewusstere und für mich verträgliche Ernährung sowie mehr Bewegung im Alltag. Bewegung muss dabei nicht sofort wieder Halbmarathon bedeuten. Wenn Laufen gerade nicht möglich ist, dann gehe ich eben.
Bei einem „Landgang“ für mein Projekt „Der Landpirat“ durch eine fremde Stadt komme ich inzwischen wieder auf mehr als 15.000 Schritte. Das bedeutet nicht, dass ich solche Strecken täglich bewältigen könnte oder plötzlich alle Grenzen verschwunden wären. Es zeigt mir aber, dass noch einiges möglich ist.
Ich muss meine Grenzen nicht hinnehmen, ohne sie zu prüfen. Aber ich sollte sie auch nicht ignorieren, nachdem ich sie gefunden habe.
Kein Schlussstrich
Die große Abnahme ab 2011 gehört zu meiner Geschichte. Ebenso gehören die Jahre dazu, in denen andere Verantwortung wichtiger wurde, meine Gesundheit Schaden nahm und vieles von dem verloren ging, was ich mir zuvor erarbeitet hatte.
Heute stehe ich wieder an einem schwierigen Punkt. Aber nicht am selben.
Ich bin älter, gesundheitlich stärker eingeschränkt und weiß, dass sich mein damaliger Weg nicht einfach wiederholen lässt. Gleichzeitig weiß ich aus eigener Erfahrung, dass Veränderung möglich ist. Und ich weiß, dass mehr Bewegung tatsächlich wieder mehr Platz im Leben schaffen kann.
Wo dieser Weg hinführt, weiß ich heute nicht.
Aber ich bin wieder unterwegs.

